30. Dezember 2016

London mit Kind

Habt Ihr Lust auf einen kleinen Ausflug nach London? Mit achtjährigem Sohn? Dann kommt mal mit.

Ich hatte Glück und habe einen nicht gar zu teuren Flug (Ryan Air) während der Herbstferien nach London gefunden. Von Memmingen - also fast vor unserer Haustür - nach London Stansted. Da ich beim letzten Besuch wirklich überrascht war von der Jugendherberge, haben wir uns bei dieser Reise ebenfalls für eine Übernachtung dort entschieden. Das Youth Hostel in Earls Court liegt zwar weniger zentral als das Youth Hostel, dass ich beim letzten mal gebucht hatte, ist mit Kind aber eh nicht so problematisch. Mit einem Achtjährigen zieht man abends eh nicht mehr so um die Häuser.

Woran ich so überhaupt nicht gedacht hatte, ist, dass ein paar Tage vor unserer Reise die Uhren zurückgestellt wurden. London ist zusätzlich eine Stunde hinter uns. Und da wir eher zu den Early Birds gehören, waren wir schon vor 6.00 Uhr hellwach. Das Leben in London beginnt aber erst Stunden danach. Dafür wird es nachmittags ab 15.00 Uhr kalt und dunkel.


Ich habe gerade nochmal meinen Sohn gefragt, was er an London am tollsten fand. Hier also seine Top 5:

1. Das Wonderlab im Science Museum
Im Dachgeschoss des Science Museums befindet sich ein interaktiver wissenschaftlicher Spielplatz. Dort bekommen Kinder auf altersgerechte Weise und mit einem Riesengaudi Themen wie Reibung, Elektrizität, das Periodensystem oder Farbenlehre beigebracht. Reibung wird übrigens anhand mehrerer Rutschen mit unterschiedlichen Untergründen und Rutschteppichen erklärt. Man kann mit einer High-Speed-Kamera Wassertropfen fotografieren, die auf eine Wasseroberfläche fallen. Sehr cool! Nicht nur für Kids. Der Eintritt liegt bei gut investierten 6 (Kinder) bis 8 (Erwachsene) Pfund (siehe Tipp unten für vergünstigte Eintritte). Interessant ist übrigens auch die Replik des ersten Roboters Englands im Erdgeschoss. Mehrmals am Tag darf Erik seine Fähigkeiten vorführen. Das Original "lebte" übrigens 1928.



Direkt neben dem Wonderlab gibt es ein helles und freundliches Cafe. Dort stärken wir uns mit Tee (mit Milch und Zucker) und einer großen Portion Eis. Gegen zu heiße Finger hilft nur mein Coffee Cozy (das Motiv passt soo toll nach London!).

2. Der Spielzeugladen Hamley
50.000 verschiedenen Spielzeuge auf 5000 m². Unser Sohn war im Himmel; in seinem persönlichen siebenstöckigem Spielzeughimmel. Nun ja, eines der sieben Himmel war komplett in rosa-lila gehalten, für den "Mädchenkram" hatte er nur einen Naserümpfer übrig. Aber den Rest fand er genial. Der Laden ist zwar toll, im Normalfall aber auch teurer als andere Läden. Die Packung Gummibärchen-Sushi, die unser Sohn sich am Vortag für 3 Pfund gekauft hat, sollte bei Hamleys stolze 10 Pfund kosten. Hamleys findet ihr in der Regent Street (ein paar Häuser weiter von Liberty London, einem meiner Top Tipps).

3. Die Dockland Light Rail (DLR)

Eine fahrerlose Hochbahn die sich durch die Häuserschluchten der Docklands schlängelt. Da sie fahrerlos ist, kann (eher MUSS !!!) man sich ganz nach vorne setzen und hat einen genialen Ausblick auf die Strecke, die Wolkenkratzer und die Quais in den Docklands. Wir sind bei anbrechender Dunkelheit gefahren (also irgendwann nach 3.00 Uhr Ortszeit), die Büros und Wohnungen waren hell erleuchtet. Mein Sohn hat die Situation sehr passend beschrieben: "Boah Mama, das ist ja wie Zukunft hier!" Genau so isses! Die DLR gehört zwar nicht zum Londoner U-Bahn-Netz, kann aber mit der gleichen Fahrkarte befahren werden. In unserem Fall einer Oyster-Card. Vergesst beim Aussteigen nich mit der Oyster Card wieder "auszustempeln", sonst wird euch irgendein Höchstbetrag abgebucht. Soll wohl sehr häufig passieren, wie ich mir habe erzählen lassen. Uns ist es - auch dank der Aufmerksamkeit von unserem Sohn - nicht passiert.

4. Auf Knien über die Millenium Bridge
Wer die Themse auf der Brücke zwischen Tate Modern und St. Paul's überquert, sollte seinen Blick mal von der Skyline lösen und ganz genau auf den Boden der Brücke schauen. Dort kleben nämlich hunderte klitzekleiner Kunstwerke. Auf Knien rutschen müsst ihr nicht unbedingt, war aber als Überschrift hübsch reißerisch. Immerhin so gut, dass ihr den Text jetzt lest. Aber zurück zu den Kunstwerken: Der Künstler Ben Wilson hat dort die unzähligen Kaugummis in den Ritzen zu kleinen Kunstwerken verwandelt. Da er nicht die Straßen vollkritzelt, sondern nur die darauf klebenden Kaugummis, begeht er keine Sachbeschädingung an öffentlichem Eigentum. In der "Zeit" habe ich ein etwas älteres Interview mit dem Künstler gefunden. Es beschreibt ganz gut unsere Situation auf der Brücke. Nachdem wir die kleinen Kunstwerke entdeckt haben, sind wir aufgeregt umhergelaufen und haben weitere Bildchen gesucht. Andere Besucher haben plötzlich mitgesucht, auf der Brücke entstand ein unruhiges Gewusel, immer wieder unterbrochen von Ahh-, Wow- und Cool-Rufen. Und wisst ihr was? Am Ende der Brücke saß der Künstler höchstpersönlich - gerade ein frisches Kunstobjekt beendet - und sah sich unser Gewusel an. Kein Scherz! Wir haben noch kurz mit ihm gesprochen. Allerdings habe ich erst nach dem Trip seinen Namen herausgefunden und mehr über ihn gelesen. 




5. Sushi
Unser Sohn ist ganz großer Sushi-Fan. Für London hatte er sich vorgenommen, dass er zweimal am Tag Sushi essen wollte. Das ist in London ziemlich einfach. Da gibt es an jeder Ecke Sushi-Restaurants. Von Mittwoch (die ersten Sushi haben wir auf der Zugfahrt vom Flughafen in die Stadt gegessen) bis Freitag hat er seinen Plan auch durchgezogen, am letzten Tag am Flughafen stellte er jedoch fest: Oh nee Mama, ich kann jetzt keine Sushi mehr essen. Passt! Dann halt einen Meal Deal (Sandwich, Mini-Chipstüte und Getränk für knapp vier Pfund). Meist haben wir die Sushi bei Wasabi oder Itsu gegessen.

Außer den Dingen, die unserem Sohn so gut gefallen haben, haben wir noch ein paar weitere Dinge unternommen. Hier also noch ein paar Tipps von mir:

London Eye
Am Tag vor unserem Abflug habe ich noch eine Fahrt im London Eye gebucht. Da wir im November dort waren, war ich nicht sicher, ob das Wetter mitspielen würde. Doch die Vorhersage sah gut aus. Und so habe ich noch schnell zwei Tickets für das Riesenrad gebucht. Und zwar gleich um 10.00 Uhr (dann öffnet London Eye morgens). Das brachte gleich drei Vorteil mit: wir mussten nicht anstehen (wir sind gleich durchgelaufen bis in die Gondel), es waren nur insgesamt fünf Besucher in unserer Gondel, außerdem ist morgens die Luft einfach noch klarer und nicht so smoggetränkt wie später am Tag. 




Bootsfahrt auf der Themse
Um nicht komplett und ständig zu Fuß unterwegs zu sein, sind wir mit dem Boot nach Greenwich gefahren. Die Fahrt ist recht teuer und nicht wirklich spannend. Dafür eher ENTspannend. Es ist schön an den Londoner Sehenswürdigkeiten vorbeizuschippern; man braucht lediglich im richtigen Moment die Kamera zu zücken und kann tolle Fotos fast ohne Aufwand schießen. Einige der Fotos in dem Post sind aus der Wasserperspektive geschossen. Für Fans von Bootsfahrten ist die Tour sicher schön, aber weder unser Sohn noch ich würden sie nochmal machen; zumindest nicht bei dem Preis (den genauen Preis habe ich verdrängt, lag aber irgendwie höher als der Preis, den ich im Internet rausgesucht hatte, gebucht hatte ich die Bootsfahrt erst vor Ort). Das Ziel unserer Fahrt  - Greenwich - ist aber definitiv einen Besuch wert. Ich kenne es noch von früheren Besuchen in London. Der Fußtunnel zwischen Greenwich und den Docklands ist zwar nur ein schnöder Tunnel, aber ich finde das Gefühl faszinierend, dass darüber mächtig viel Wasser fließt. Von den Docklands zurück in die Stadt fährt man mit der DLR.


Essen bei PingPong
Wir hatten Glück, meine Freundin Anna war zur gleichen Zeit in London wie wir. Eigentlich wohnt sie ja in London, arbeitet aber am Theater und ist deshalb häufig unterwegs in ganz England. Bei meinem letzen Besuch habe ich sie gar nicht gesehen. Den letzten Abend hatten wir uns zum gemeinsamen Abendessen verabredet. PingPong ist eine kleine Kette von Dim Sum Restaurants in London. Anna hatte es mir bei meinem letzten Besuch schon empfohlen; ich sollte dringend nach den "white fluffy things with chicken inside" fragen von dem sie sich den Namen nicht merken kann. Haben wir dann bei unserem gemeinsamen Besuch gemacht. Die Kellner wissen sofort, was man möchte. Ich bin beeindruckt! Der Name ist irgendwas unaussprechliches, aber lecker sind sie. Zu den "white fluffy things with chicken inside" haben wir einfach zwei Menüs genommen. Der Preis ist insgesamt höher als vergleichbare Restaurants bei uns (London halt ...), aber es lohnt sich. Es war ein wirklich schöner Abend mit leckerem Essen. 

Meine Lieblings-Spartipps
London gehört definitiv nicht zu den Sonderangeboten. Ein Wochenende in der pulsierenden Metropole kosten ungefähr das gleiche wie zwei Wochen exklusiver All Inclusive Badeurlaub in der Türkei. Da sind Spartipps gern gesehen, oder?

Wenn ihr in Stansted ankommt, nehmt ihr am schnellsten und komfortabelsten den Zug (Stansted Express) in die Stadt. Bucht die Fahrt möglichst mehrere Wochen vorher, so bekommt ihr bis zu 50% Vergünstigung auf den Fahrpreis. Für die Hin- und Rückfahrt gebt ihr nur den Tag der Ankunft an, die Rückfahrt muss - ohne Datumsangabe - innerhalb von vier Wochen erfolgen. Am Flughafen angekommen, setzt ihr euch in den nächsten Zug und lasst euch bequem in die Stadt chauffieren. Aber jetzt wird es interessant: Mit der Buchungsnummer für die Zugfahrt könnt ihr online (und nur dort!) Eintrittskarten für die verschiedensten Londoner Sehenswürdigkeiten buchen und bekommt auf die Preise bis zu 50% Rabatt. Unsere Fahrt mit dem London Eye hat uns dann 24,- Pfund (für 2 Personen) gekostet. Immer noch eine Stange Geld, aber besser als die 45,- Pfund die uns ein spontaner Besuch des "Auges" gekostet hätte. Neben dem London Eye findet ihr für fast alle Londoner Sehenswürdigkeiten Vergünstigungen!


Vor einigen Monaten war ich schon mal in London und habe - unter anderem - diesem in der Sonne glitzernden Hochhaus einen Besuch abgestattet. Den Bericht findet ihr in diesem Post.


Meine To-Do-Liste für London ist auch nach dem zweiten Besuch innerhalb eines Jahres noch nicht abgearbeitet. Ich glaub ich muss da nochmal hin ... 

Mir bleibt erstmal nur, euch einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen. Mit ganz vielen kreativen Projekten, neuen Ideen und tollen Inspirationen. Ich möchte im kommenden Jahr mal wieder ein paar Taschen nähen. Aus dem Grund habe ich mir vorgenommen, beim Taschen Sew-Along von Katharina mitzunähen, zumindest hin und wieder. Sehen wir uns dort?


2017, ich zähle auf dich! Du bekommst das doch besser hin als dein scheidender Vorgänger, oder?!?

Kreative Grüße,




Kommentare:

  1. Liebe Miriam,
    ach wie schön ist es mal wieder einen solch langen Bericht von Dir zu lesen.
    Ich freue mich darauf auch 2017 wieder jeden Deiner Posts zu lesen und mich mit Dir zu freuen, was Du für tolle Dinge machst.

    GLG und ein gutes, kreatives und vor allem gesundes neues Jahr!
    Ines♥

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  2. Ich wünsche dir ein schönes neues Jahr und hoffe, du bist gut in das neue Jahr gestartet!
    Viele Grüße
    Gabi
    PS: Danke für so manchen London-Tipp, den ich noch nicht kannte!

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  3. Wir haben grad gestern Lobdon gebucht für Ostern, mit zwei 9 jährigen Mädels. Wir fahren zwar hauptsächlich wegen der Harry Potter Studios hin, werden aber sicherlich Zeit haben, noch den ein oder anderen Tipp von dir anzuschauen. Danke dir!

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  4. Liebe Miri
    Vielen herzlichen Dank für deinen Post. Wir planen unseren Sommerurlaub in England und sind froh um deine und Sohnemanns Tipps für London.
    Herzliche Grüsse
    Verena

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Danke dass du reinschaust. Ich freu' mich über jeden Kommentar.
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Yours, Miriam